Standardsoftware
Standardsoftware funktioniert nur als integrierte Komponente
Standardsoftware (SaaS / COTS) eignet sich für generische Prozesse, wenn sie zur Architektur passt und sauber integriert werden kann. Entscheidend ist nicht die Beschaffung allein, sondern die Einbindung in Datenflüsse, Identität und Betrieb.
Standardsoftware ist kein abgeschlossenes Silo, sondern eine API-basierte Komponente in einer zusammengesetzten Systemlandschaft.
Anti-Patterns: Die Insel-Lösung
Viele Unternehmen kaufen spezialisierte Software für Buchhaltung, HR oder Marketing, die zwar ihre Aufgabe erfüllt, aber nicht mit anderen Systemen kommuniziert. Dies führt zu manueller Dateneingabe, inkonsistenten Berichten und verhindert die Automatisierung von End-to-End Prozessen. Die Abhängigkeit von den Update-Zyklen und der Roadmap des Herstellers bremst zudem die eigene Agilität.
Integration per Design
- API-Check vor Kauf: Eine neue Software wird nur beschafft, wenn sie über moderne, gut dokumentierte Schnittstellen (REST/GraphQL) verfügt.
- Middleware und iPaaS: Nutzung von Integrationsplattformen (wie n8n, Make oder Azure Logic Apps), um den Datenfluss zwischen den Systemen zu automatisieren, ohne jedes Mal Individualcode schreiben zu müssen.
- Master Data Management (MDM): Definition, welches System die Hoheit über welche Daten hat (zum Beispiel das CRM für Kundendaten, das PIM für Produktdaten).
- Single Sign-On (SSO): Zentrale Verwaltung der Benutzeridentitäten (zum Beispiel via Keycloak oder Entra ID) über alle Standard-Anwendungen hinweg.
- No-Code / Low-Code Integration: Befähigung von Fachabteilungen, einfache Workflows zwischen Standard-Werkzeugen selbst zu erstellen, unter Einhaltung der IT-Governance.
Der Fokus: Gute Einzelwerkzeuge ohne Silos
Ein Unternehmen nutzt Salesforce für den Vertrieb, SAP für die Logistik und Microsoft 365 für die Kollaboration. Durch konsequente Integration fliessen die Daten automatisch von der ersten Kundenanfrage bis zur Auslieferung und Abrechnung.
FAQ
Ist Standardsoftware nicht immer günstiger als Eigenentwicklung?
In der Anschaffung ja. Aber die Integrationskosten und die Kosten für Prozess-Anpassungen (wenn das Business sich der Software anpassen muss) müssen eingerechnet werden. Composable Architecture minimiert diese Kosten.
Wie verhindern wir den Wildwuchs bei hunderten SaaS-Tools?
Durch ein zentrales SaaS-Management und klare Architektur-Leitplanken. Jedes neue Werkzeug muss die Integrations- und Sicherheits-Standards des Unternehmens erfüllen.
Referenzen
- Hohpe, Gregor; Woolf, Bobby Enterprise Integration Patterns. Standardreferenz für System-Integration. (2003). enterpriseintegrationpatterns.com
- G2 iPaaS Market Guide. Übersicht über moderne Integrations-Plattformen. g2.com/categories/ipaas
- Gartner Composable Business. Forschungsbericht zur Zukunft der Unternehmens-IT. gartner.com/en/information-technology/glossary/composable-business