OSS-Strategie
Wer beiträgt, gestaltet mit, statt nur zu konsumieren
Open Source Software (OSS) ist heute ein zentraler Bestandteil technischer Infrastruktur. Eine OSS-Strategie behandelt dieses Ökosystem nicht nur als Bezugsquelle, sondern regelt auch Beiträge, Abhängigkeiten und Verantwortung gegenüber Upstream-Projekten. Das senkt Wartungsrisiken, verbessert Sicherheit und macht technische Entscheidungen nachvollziehbar.
Innovation durch Offenheit bedeutet, Commodity-Probleme gemeinsam mit der weltweiten Community zu lösen, um die eigenen Ressourcen für den eigentlichen geschäftlichen Mehrwert freizumachen.
Anti-Patterns: Die passive Konsumenten-Rolle
- The Fork Trap: Man verändert ein Open-Source-Projekt lokal für die eigenen Zwecke, ohne die Änderungen zurückzugeben (Upstream). Das Ergebnis: Upstream-Updates werden aufwendig und konfliktanfällig, da die eigenen Änderungen bei jedem Rebase neu integriert werden müssen.
- Strategische Blindheit: Man verlässt sich auf eine wichtige Bibliothek, merkt aber zu spät, dass deren Entwicklung eingestellt wurde oder sich in eine ungünstige Richtung bewegt.
- Angst vor Reputation: Unternehmen trauen sich nicht, Code zu veröffentlichen, aus Sorge, dieser könnte nicht gut genug sein.
Der strategische Beitrag
- Upstream First: Jede Verbesserung an einer genutzten OSS-Komponente wird primär dem Original-Projekt angeboten. Dies minimiert die eigenen Wartungskosten.
- OSS Readiness: Etablierung von Prozessen, die es Entwicklern erlauben, rechtssicher und unkompliziert Beiträge zu Open Source Projekten zu leisten (siehe OSPO).
- Sponsorship: Gezielte finanzielle Unterstützung von kritischen Open-Source-Projekten, auf denen die eigene Infrastruktur basiert.
- Eigene Projekte als Standard: Veröffentlichung von internen Tools als Open Source, um sie zum Branchenstandard zu machen und Feedback von aussen zu erhalten.
- Community Management: Aktiver Dialog mit den Entwicklern und Nutzern der für das Unternehmen wichtigen Projekte.
Der Fokus: Geschwindigkeit durch Upstream-Nähe
Durch die Nutzung und Beteiligung an OSS profitiert das Unternehmen von den Innovationen tausender Entwickler weltweit, ein Tempo, das keine interne IT-Abteilung alleine halten kann.
FAQ
Verliert eine Organisation nicht ihren Wettbewerbsvorteil, wenn sie Code teilt?
Nur wenn ihr gezielt vertrauliche Bestandteile preisgebt. Die meisten Innovationen entstehen in Infrastruktur, Frameworks oder Werkzeugen. Welche Teile sicher geteilt werden können, klärt eine IP-, Sicherheits- und Geschäftsmodell-Analyse.
Wie finden wir Zeit für Open-Source Beiträge während der Projektarbeit?
Beiträge zu genutzten Projekten gehören zur regulären Wartungsarbeit. Ein Bugfix im Original-Projekt ist nachhaltiger als ein lokaler Workaround.
Referenzen
- Nadia Eghbal Working in Public: The Making and Maintenance of Open Source Software. Über die Ökonomie und Dynamik von Open Source. (2020). press.stripe.com/working-in-public
- Linux Foundation Creating an Open Source Strategy. Umfassende Ressourcen für Unternehmen zur OSS-Strategie. www.linuxfoundation.org/resources/open-source-guides/creating-an-open-source-program
- TODO Group OSPO Mind Map. Aufgaben und Ziele eines Open Source Program Office. ospomindmap.todogroup.org/