Disaster Recovery
Ein Backup zählt erst, wenn die Wiederherstellung geprüft ist
Disaster Recovery (DR) ist der technische Teil der Krisenvorsorge: Wie stellen wir Daten und Systeme nach einem katastrophalen Ereignis (Feuer, Flut, massiver Cyberangriff) wieder her? Business Continuity (BC) ist die strategische Ebene: Wie halten wir den Geschäftsbetrieb während des Ausfalls aufrecht?
Es geht um die Existenzsicherung des Unternehmens. Eine IT ohne funktionierenden und geprüften DR-Plan ist ein unverantwortliches Geschäftsrisiko.
Anti-Patterns: Die fatale Hoffnung
Viele Unternehmen glauben, "ein Backup zu haben" sei ausreichend. Doch im Ernstfall stellt sich oft heraus, dass die Wiederherstellung Tage dauert, wichtige Daten fehlen oder die Hardware zur Wiederherstellung gar nicht verfügbar ist. Ohne definierte Zeitziele (RTO) und Datenverlust-Toleranzen (RPO) ist die IT im Krisenfall führungslos.
Definierte Sicherheit
- RPO (Recovery Point Objective): Wie viel Datenverlust können wir verkraften? (zum Beispiel "Maximal 1 Stunde Arbeit geht verloren").
- RTO (Recovery Time Objective): Wie schnell müssen die Systeme wieder laufen? (zum Beispiel "Nach 4 Stunden ist der Kernbetrieb wieder online").
- 3-2-1 Backup-Regel: 3 Kopien der Daten, auf 2 verschiedenen Medien, 1 Kopie davon an einem externen, physisch getrennten Ort (Off-site).
- Immutable Backups: Sicherungen, die nachträglich nicht mehr verändert oder gelöscht werden können (Schutz vor Ransomware).
- Regelmässige Recovery-Audits: Ein Backup, das nicht erfolgreich wiederhergestellt wurde, existiert faktisch nicht. Den Ernstfall testen wir regelmässig; die Kadenz richtet sich nach Business-Impact, regulatorischen Vorgaben, Systemkritikalität und Änderungsrate (oft quartalsweise).
Der Fokus: Kritische Prozesse
Nicht alles muss sofort wieder laufen. Die Wiederherstellung wird nach Geschäftsauswirkung priorisiert: zuerst Verkauf und Logistik, danach interne administrative Systeme.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Backup und Disaster Recovery?
Das Backup ist die Kopie der Daten. Disaster Recovery ist der Plan und die Infrastruktur, um aus diesen Daten wieder ein funktionierendes Gesamtsystem zu machen. Ohne Plan sind Daten nur nutzlose Bytes.
Können wir RTO und RPO nicht einfach auf Null setzen?
Echte Null-Werte sind in der Praxis kaum erreichbar und selten wirtschaftlich. High Availability über mehrere Regionen senkt die Ziele deutlich, doch Failover, Replikations-Latenz, Split-Brain-Schutz, Abhängigkeiten sowie DNS- und Client-Verhalten hinterlassen ein Rest-Wiederherstellungsfenster und ein Rest-Risiko für Datenverlust. Entscheidend ist die ökonomische Abwägung: Was kostet eine Stunde Ausfall, und was kostet die Annäherung an diese Ziele?
Referenzen
- Veeam The 3-2-1 Backup Rule. Grundlagen der Datensicherungsstrategie. (2023). www.veeam.com/blog/321-backup-rule.html
- ISO 22301: Business Continuity Management Systems. Internationaler Standard für Business-Continuity-Management. (2019). www.iso.org/standard/75154.html
- NIST SP 800-34 Rev. 1: Contingency Planning Guide for Federal Information Systems. Offizieller Leitfaden für IT-Notfallplanung. (2010). csrc.nist.gov/pubs/sp/800/34/r1/upd1/final