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OSS-Geschäftsmodelle

Open Source ist ein strategisches Geschäftsmodell, kein Verzicht auf Erlöse

Open Source Software (OSS) ist weit mehr als kostenlose Software. Sie ist ein strategisches Instrument zur Marktetablierung, zur Gewinnung von Talenten und zur Definition von Industriestandards. Unternehmen benötigen klare Geschäftsmodelle und eine interne Steuerungsinstanz (das Open Source Program Office, OSPO), um das Potenzial von OSS voll auszuschöpfen.

Erfolgreiche Strategien nutzen OSS, um Standardware-Probleme (Commodity) gemeinsam zu lösen, während sie auf Basis dieser Standards eigene, differenzierende Mehrwerte schaffen.

Anti-Patterns: Der naive Umgang mit OSS

  • Trittbrettfahrer-Mentalität: Nur konsumieren, ohne zurückzugeben. Dies führt zu technischer Isolation und verhindert Einfluss auf die Roadmap der genutzten Software.
  • Lizenz-Blindheit: Ungeplanter Einsatz von Copyleft-Lizenzen (wie GPL), was unfreiwillig zur Offenlegung von proprietärem Kern-Code führen kann.
  • Fehlende Strategie: Es gibt keine klare Regelung, welche internen Entwicklungen veröffentlicht werden dürfen und welche geschützt bleiben müssen.

Strategische Professionalisierung

  1. OSS-Geschäftsmodelle:
    • Open Core: Der Kern ist frei, spezifische Enterprise-Features (Sicherheit, Management) sind kostenpflichtig.
    • SaaS / Managed Hosting: Die Software ist frei, der komfortable und sichere Betrieb wird als Service verkauft.
    • Professional Services: Beratung, Implementierung und Support für komplexe OSS-Ökosysteme.
  2. Das OSPO (Open Source Program Office): Eine zentrale Stelle, die die OSS-Strategie koordiniert, Compliance sicherstellt und die Beziehung zu den Communities pflegt.
  3. Upstream-Contribution: Gezielte Mitarbeit an jenen Projekten, von denen das Unternehmen strategisch abhängig ist, um deren Qualität und Sicherheit zu sichern.
  4. Talent-Magnet: Veröffentlichung von hochwertigem Code als Proof-of-Work, um hochqualifizierte Engineers anzuziehen.

Der Fokus: Ökosystem-Kontrolle

Durch die Initiierung eines OSS-Projekts kann ein Unternehmen einen De-facto-Standard setzen und sich so eine zentrale Marktposition erarbeiten (zum Beispiel Google mit Kubernetes oder HashiCorp mit Terraform).

FAQ

Warum sollten wir für die Entwicklung von Software bezahlen, die wir dann verschenken?

Weil dieser Ansatz die Entwicklungskosten mit anderen Marktteilnehmern teilt, den Standard mitprägt und Fachkräfte anzieht, die gerne an Open Source arbeiten.

Wie verhindern wir rechtliche Risiken durch Open Source Lizenzen?

Durch automatisierte Lizenz-Scans in der CI/CD-Pipeline und klare Richtlinien des OSPO, welche Lizenzen für welche Zwecke freigegeben sind.

Referenzen

  • TODO Group OSPO Mind Map. Übersicht über die Aufgaben eines Open Source Program Office. (2021). ospomindmap.todogroup.org/
  • Karl Fogel Producing Open Source Software. Über die Führung von Open-Source-Projekten. (2005). producingoss.com
  • OSS Capital Open Source Business Models. Analyse der verschiedenen Monetarisierungsstrategien. (2019). oss.capital