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PostHog

PostHog ist eine Open-Core-Plattform für Produkt-Analytik, die Events, Funnels, Session-Aufzeichnungen und Feature-Flags in einem Werkzeug bündelt. Der Kern ist MIT-lizenziert und selbst hostbar, die fortgeschrittenen Funktionen liegen in der betriebenen Cloud.

Wo klassische Web-Analyse zählt, wie viele Besucher eine Seite aufrufen, fragt Produkt-Analytik, was Nutzer im Produkt tatsächlich tun: welchen Pfad sie durch eine Anwendung nehmen, an welchem Schritt sie abbrechen, welche Funktion sie nie finden. PostHog deckt dieses Feld ab und stellt zugleich die Souveränitätsfrage, weil der Kern als Open Source verfügbar ist. Diese Seite beschreibt, was die Plattform leistet, wo die Grenze zwischen selbst gehostetem Kern und Cloud verläuft, und welchen Datenschutz-Winkel das in der Schweiz hat.

Was PostHog abdeckt

PostHog versteht sich nicht als reines Analyse-Werkzeug, sondern als Sammlung mehrerer Produkte um eine gemeinsame Ereignis-Datenbank:

  • Produkt-Analytik. Events, Trichter (Funnels), Retention und Nutzerpfade. Der Kern: nachvollziehen, welche Aktionen Nutzer auslösen und wo sie hängen bleiben.
  • Web-Analytik. Seitenaufrufe, Quellen und Kennzahlen auf Sitzungsebene, näher an der klassischen Disziplin, die auch Matomo bedient.
  • Session-Aufzeichnungen. Wiedergabe einzelner Sitzungen, um Reibungspunkte sichtbar zu machen, die in aggregierten Zahlen untergehen.
  • Feature-Flags und Experimente. Funktionen gezielt für Nutzergruppen schalten und A/B-Tests fahren, ohne neu auszuliefern.
  • Umfragen und Fehler-Tracking. Direktes Nutzerfeedback und Laufzeitfehler, an dieselben Ereignisse gekoppelt.

Diese Breite ist der Unterschied zur reinen Web-Statistik. Sie macht PostHog aber auch zu einem grösseren Betriebsgegenstand als ein schlankes Analyse-Skript.

Open Core, nicht voll quelloffen

Hier ist Präzision wichtig. PostHog ist Open Core, nicht durchgehend Open Source. Der Hauptteil des Codes steht unter der MIT-Lizenz und darf frei genutzt, verändert und selbst betrieben werden. Was im Verzeichnis ee/ (Enterprise Edition) des Projekts liegt, fällt unter eine eigene, gesonderte Lizenz und ist von der MIT-Freigabe ausgenommen. Wer den Kern selbst hostet, bekommt also einen quelloffenen Unterbau, aber nicht automatisch jede Funktion der betriebenen Variante. Das ist ein anderes Modell als bei einem durchgängig quelloffenen Werkzeug und sollte vor einer Entscheidung verstanden sein. Die grundsätzliche Abwägung dahinter behandelt die Seite OSS-Geschäftsmodelle.

Selbst hosten: was geht und was nicht

PostHog stellt eine Docker-Compose-Variante zum Selbsthosten bereit, ist dabei aber bemerkenswert offen über deren Grenzen. Der Anbieter bezeichnet das Selbsthosten ausdrücklich als nicht offiziell unterstützt und für die meisten Nutzer nicht empfohlen; für selbst betriebene Instanzen gibt es keinen Produkt- oder Infrastruktur-Support, und das Betriebsrisiko liegt vollständig beim Betreiber. Funktional sind in der selbst gehosteten Variante nur die Funktionen des kostenlosen Tarifs zugänglich; die kostenpflichtigen Cloud-Funktionen bleiben der betriebenen Plattform vorbehalten. Eine vollständige Gratis-Parität zur Cloud gibt es also nicht.

Diese Ehrlichkeit ist die wichtigste Eigenschaft für eine Souveränitätsentscheidung. Selbsthosten ist möglich und der Kern ist quelloffen, aber es ist eine bewusste Betriebslast, kein Nebenbei-Schalter. Wer Datenhoheit ohne diese Last sucht, vergleicht PostHog deshalb eher mit der schlankeren, vollständig quelloffenen Matomo.

Cloud-Varianten und Datenstandort

In der betriebenen Cloud bietet PostHog die Wahl zwischen zwei Regionen: USA (Virginia) und EU (Frankfurt). Die Region wird bei der Einrichtung gewählt; eine EU-Region adressiert die Frage nach dem Datenstandort für europäische Akteure. Wichtig bleibt die Trennung der Ebenen: Anbieter ist die PostHog Inc. mit Sitz in den USA, unabhängig davon, in welcher Region die Daten liegen. Für Schweizer Unternehmen mit besonders schützenswerten Daten ist diese Unterscheidung zwischen Datenstandort und Anbieter-Gerichtsstand der Kern der Abwägung, wie sie auch die digitale Souveränität beschreibt.

Die Tarife folgen einem nutzungsbasierten Modell mit kostenlosem Einstieg. Der Gratis-Tarif der Cloud umfasst nach Anbieterangabe rund eine Million Events pro Monat für die Analytik und mehrere Tausend Session-Aufzeichnungen, mit kürzerer Datenaufbewahrung als in den bezahlten Stufen. Die genauen Grenzen sind volumenabhängig und sollten vor einer Festlegung am aktuellen Tarif geprüft werden.

Produktdaten unter eigener Kontrolle

Wer Produkt-Analytik einführt, entscheidet damit, wie viel Kontrolle die Organisation über ihre Ereignisdaten behält. Ein selbst gehosteter Kern auf eigener oder schweizerischer Infrastruktur hält die Ereignisdaten im eigenen Zugriff; die betriebene Cloud mit EU-Region verlagert den Datenstandort nach Europa, lässt aber den US-Anbieter bestehen. Beide Wege sind gangbar, sie unterscheiden sich im Grad der Kontrolle und im Betriebsaufwand. Produkt-Analytik berührt zudem fast immer Personendaten, sobald sich Sitzungen einzelnen Nutzern zuordnen lassen. Damit greift das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), und die Wahl des Werkzeugs wird zur Datenschutzfrage.

PostHog steht damit im selben Feld wie andere quelloffene Analyse- und Marketing-Werkzeuge, die in einer souveränen Marketing Automation zusammenspielen. Die Grenze bleibt dabei klar: PostHog liefert Produkt-Analytik mit der oben beschriebenen Breite, während für reine Web-Statistik ohne Produkt-Tiefe die schlankere, vollständig quelloffene Matomo das passendere Werkzeug ist.

Referenzen

  • PostHog Pricing. Nutzungsbasiertes Tarifmodell mit kostenlosem Einstieg, inklusive der Frei-Kontingente für Events und Session-Aufzeichnungen. (2026). posthog.com/pricing
  • PostHog Self-hosting documentation. Docker-Compose-Variante zum Selbsthosten, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass sie nicht offiziell unterstützt und für die meisten Nutzer nicht empfohlen wird. (2026). posthog.com/docs/self-host
  • PostHog LICENSE. MIT-Lizenz für den Kern, gesonderte Lizenz für das Verzeichnis ee/ (Enterprise Edition). (2026). github.com/PostHog/posthog/blob/master/LICENSE

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