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Penpot

Penpot ist ein quelloffenes Design- und Prototyping-Werkzeug, das im Browser läuft, auf eigenen Servern gehostet werden kann und nativ auf den offenen Standards SVG, HTML und CSS aufbaut. Es ist der souveräne Gegenentwurf zum Cloud-Standard Figma, kein zeilengenauer Klon davon.

Sobald ein Team digitale Produkte gestaltet, fällt eine stille Grundsatzentscheidung: Auf welcher Werkzeugkette entstehen die Entwürfe, und wem gehören am Ende die Dateien? Der Marktstandard Figma beantwortet das mit einer Cloud, die das Werkzeug, die Daten und das Dateiformat in einer Hand bündelt. Penpot beantwortet dieselbe Frage anders: offener Quellcode unter der Mozilla Public License 2.0, ein offenes Dateiformat und die Wahl zwischen gehosteter Variante und Betrieb auf eigener Infrastruktur. Diese Seite beschreibt, was Penpot ausmacht, wo seine Grenzen gegenüber Figma liegen und warum es als Baustein einer souveränen Design-Werkzeugkette taugt.

Kernkonzept

Penpot ist eine Webanwendung, die von der Entwicklerfirma Kaleidos aus Madrid getragen wird und vollständig unter der MPL 2.0 steht. Drei Eigenschaften prägen das Werkzeug:

  • Offene Standards als Format. Penpot speichert Entwürfe nicht in einem geschlossenen Binärformat, sondern setzt auf SVG, HTML und CSS sowie ein offenes, dokumentiertes Dateiformat. Penpot orientiert sich damit an denselben Web-Standards, die später die Oberfläche bilden, statt an einem werkzeugeigenen Zwischenformat.
  • Selbst hostbar. Neben der von Kaleidos betriebenen Cloud-Instanz lässt sich Penpot per Docker-Compose auf eigener Infrastruktur betreiben, hinter den vorhandenen Reverse-Proxies und VPNs. Die Funktionalität ist in beiden Betriebsarten weitgehend dieselbe.
  • Nähe zur Implementierung. Layout-Mechaniken wie CSS Grid und Flexbox sind nativ abgebildet, nicht als Annäherung nachgebaut. Das verkleinert die Lücke zwischen Entwurf und Code, weil das Layout im Werkzeug denselben Regeln folgt wie später im Browser.

Diese drei Punkte sind der Kern. Alles Weitere, von Komponentenbibliotheken bis zu Design Tokens, baut darauf auf.

Penpot ist kein Figma-Klon

Penpot tritt funktional gegen Figma an, ist aber bewusst kein zeilengenaues Abbild. Wer eine vollständige Funktionsparität erwartet, liegt falsch. Einzelne Bereiche, die Figma seit Jahren ausgereift anbietet, sind in Penpot jünger oder noch in Entwicklung; der Anbieter selbst kennzeichnet bestimmte Funktionen als künftig statt als vorhanden. Umgekehrt löst Penpot manches eleganter, etwa die direkte Abbildung von CSS Grid und Flexbox. Die ehrliche Einordnung lautet also: ein eigenständiges Werkzeug mit eigener Philosophie, das in vielen Alltagsaufgaben mit Figma gleichzieht, in einzelnen Spezialdisziplinen aber noch nicht. Die Entscheidung zwischen beiden ist daher keine reine Funktionsfrage, sondern eine Make-or-Buy-Entscheidung zwischen Vendor Lock-in und Kontrolle.

Souveräne Werkzeugkette statt Vendor Lock-in

Der eigentliche Hebel von Penpot liegt nicht im Funktionsumfang, sondern in der Eigentumsfrage. Ein gehostetes Cloud-Werkzeug verlagert Entwürfe, Komponentenstrukturen und unveröffentlichte Produktmockups auf fremde Infrastruktur. Gerade Design-Artefakte sind heikel: Ein abgebildetes Produkt ist erkennbar, lange bevor es offiziell existiert. Penpot adressiert genau das, indem es Werkzeug und Daten auf der eigenen Infrastruktur hält und so dem Vendor Lock-in entgegenwirkt. Damit fügt es sich in eine Linie mit lokal-zuerst gedachten Werkzeugen wie Obsidian ein, während die proprietäre Adobe Creative Cloud das andere Ende des Spektrums markiert. Die strategische Klammer dahinter, weshalb Kontrolle über Werkzeuge und Daten langfristig handlungsfähig hält, beschreibt die digitale Souveränität.

Wo Penpot in die Werkzeugkette passt

Penpot ist kein isoliertes Werkzeug, sondern ein Knoten in der Kette vom Entwurf bis zum lauffähigen Produkt. Der folgende Ablauf zeigt, wo es ansetzt und woran es anschliesst:

flowchart TD
    A["Idee, Wireframe"] --> B["Entwurf in Penpot<br/>nativ SVG, HTML, CSS"]
    B --> C["Interaktiver Prototyp<br/>im Browser"]
    C --> D["Offene Übergabe<br/>Code direkt ablesbar"]
    D --> E["Implementierung"]

Der entscheidende Vorteil liegt am rechten Rand des Ablaufs: Weil Penpot intern dieselben Web-Standards nutzt, die später die Oberfläche bilden, liegt die Code-Inspektion nahe an der späteren Umsetzung. Der erzeugte Code ist als Orientierung gedacht, nicht als fertige Implementierung. Das Selbst-Hosting wiederum ist kein nachträglicher Zusatz, sondern hält den gesamten Ablauf innerhalb der eigenen Grenzen.

Worauf bei der Einführung zu achten ist

  • Selbst-Hosting hat Betriebskosten. Eine eigene Instanz braucht Pflege: Updates, Backups, Authentifizierung. Die Docker-Abbilder für den Eigenbetrieb folgen den gehosteten Aktualisierungen mit etwas Verzug, das ist konfigurations- und versionsabhängig.
  • Migration ist nicht knopfdruckfertig. Bestehende Figma-Dateien lassen sich importieren, aber nicht jede Eigenheit überträgt sich verlustfrei. Eine Migration ist ein Projekt, kein Export.
  • Reifegrad prüfen statt annehmen. Welche Funktion heute produktiv taugt, ist eine Frage des konkreten Bedarfs. Der Reifegrad einzelner Bereiche ändert sich laufend, deshalb gehört die Prüfung an den Anfang, nicht ans Ende.
  • AI-Funktionen bleiben eine Entscheidung. Penpot bindet KI-Funktionen über einen MCP-Server ein, der innerhalb der eigenen Infrastruktur läuft; welche Modelle Verbindung erhalten, ist konfigurierbar. Das ist ein Angebot, kein Automatismus.

Datenhoheit über die eigenen Entwürfe

Mit der Werkzeugwahl entscheidet eine Organisation zugleich, wer am Ende Zugriff auf ihre Entwürfe hat. Sobald Entwürfe mit Personenbezug oder schützenswertem Geschäftsgeheimnis in eine Cloud ausserhalb der eigenen Kontrolle wandern, stellt sich die Frage nach Recht und Zugriff. Ein selbst gehostetes Penpot hält diese Artefakte im eigenen Perimeter und nimmt der Frage damit die Schärfe, bevor sie entsteht. Für Schweizer Organisationen fällt diese Wahl zusätzlich mit der Datenschutzfrage zusammen. Ob ein selbst betriebenes Open-Source-Werkzeug oder eine Cloud-Variante besser zur Organisation passt, bleibt eine Make-or-Buy-Entscheidung; welche Artefakte überhaupt das eigene Netz verlassen dürfen, ist eine Frage der digitalen Souveränität.

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