Figma
Figma ist der Marktstandard für kollaboratives Interface- und Produktdesign. Mehrere Personen arbeiten in Echtzeit im selben Browser-Dokument, vom ersten Wireframe bis zum entwicklerfertigen Prototyp. Das Werkzeug ist proprietär und läuft ausschliesslich in der Cloud.
Kaum ein anderes Werkzeug hat das Produktdesign so stark geprägt. Figma hat die Disziplin aus den lokalen Einzelplatz-Programmen in einen gemeinsamen, immer aktuellen Arbeitsraum verschoben. Diese Seite beschreibt, was Figma kann, wie es seine Daten verwaltet und warum es im Schweizer Kontext zur Souveränitätsfrage wird, nicht als Kritik am Werkzeug, sondern als ehrliche Einordnung seiner Architektur.
Kernkonzept
Figma ist eine Browser-Anwendung. Es gibt zwar einen Desktop-Client, doch die Datei liegt in jedem Fall auf den Servern des Anbieters, nicht auf dem Gerät. Daraus folgt die zentrale Stärke: Echtzeit-Kollaboration ohne Synchronisations- oder Versionskonflikte. Wer einen Link teilt, teilt den lebenden Stand, nicht eine Kopie. Das Ökosystem reicht über das reine Design hinaus und umfasst unter anderem das Whiteboard FigJam, den entwicklerorientierten Dev Mode zur Übersetzung von Designs in Code sowie Figma Slides für Präsentationen. Funktionsumfang und Sitzplatz-Typen hängen vom Tarif ab, von der kostenlosen Starter-Stufe bis zu Enterprise.
Einschätzung
- Einsatzbereich: UI- und UX-Design, Prototyping, Designsysteme und die Übergabe an die Entwicklung. Der De-facto-Standard, wenn ein Team gemeinsam an einer Oberfläche arbeitet.
- Vorteil: Niedrige Einstiegshürde im Browser, echte Mehrbenutzer-Kollaboration und ein grosses Ökosystem aus Plugins und Community-Vorlagen.
- Limitierung: Vollständiger Vendor Lock-in. Die Arbeitsdateien liegen in einer fremden Cloud, und es gibt keine Self-Hosting-Option. Wer den Anbieter wechselt, nimmt seine Inhalte nur eingeschränkt mit.
Wo die Arbeitsdateien liegen
Wer mit Figma arbeitet, sollte wissen, in wessen Rechtsraum die eigenen Entwürfe liegen, denn das entscheidet darüber, wer rechtlich auf sie zugreifen kann. Figma ist dabei gut abgesichert und transparent: Der Anbieter weist eine SOC-2-Type-2-Prüfung aus, ist nach ISO/IEC 27001:2022 und ISO/IEC 27018:2019 zertifiziert und hält sich an den EU Cloud Code of Conduct. Das adressiert die Informationssicherheit. Es adressiert nicht die Frage, in wessen Rechtsraum die Daten liegen.
Genau hier setzt die digitale Souveränität an. Figma betreibt seine Infrastruktur auf US-Cloud-Anbietern. Für Kunden mit Enterprise-Tarif gibt es eine Data-Residency-Lösung, die Teile der Designdateien in einer gewählten Region speichert, derzeit in der EU sowie ab dem ersten Quartal 2026 in Australien und Indien. Diese Lösung läuft auf AWS-Rechenzentren, betrifft ausdrücklich nur ruhende Daten und nicht die Übertragung, und sie schliesst Metadaten, Suchindizes und weitere Datentypen aus. Eine Schweizer Region bietet Figma nicht an. Für eine Organisation mit Personendaten heisst das in der Praxis: Die Inhalte verlassen das eigene Land, und je nach Anbieter und Tarif auch den europäischen Rechtsraum. Diese Abwägung gehört herstellerneutral geführt: nicht gegen das Werkzeug, sondern entlang der Frage, welcher Rechtsraum für die konkreten Inhalte tragbar ist.
Der Kontrast: Marktstandard gegen Kontrolle
Figma steht damit für dasselbe Spannungsfeld wie die Adobe Creative Cloud im klassischen Grafikdesign: ein technisch führendes, proprietäres Cloud-Ökosystem, das durch seine Verbreitung zum Standard wurde und genau deshalb schwer zu ersetzen ist. Der Souveränitäts-Gegenpol ist Penpot, ein quelloffenes Interface-Design-Werkzeug, das sich selbst betreiben lässt und damit die Datenhoheit im eigenen Haus hält. Penpot ist funktional noch nicht in jeder Hinsicht deckungsgleich, zeigt aber, dass die Cloud-Architektur keine technische Notwendigkeit ist, sondern eine Geschäftsentscheidung. Die Wahl zwischen beiden ist kein reines Werkzeugthema, sondern eine bewusste Abwägung zwischen Marktstandard und Kontrolle über die eigenen Inhalte.
Einordnung
Figma ist ein hervorragendes Werkzeug, und für viele Teams die produktivste Wahl. Die Souveränitätsfrage entwertet das nicht, sie macht die Entscheidung nur bewusst. Wo unkritische Entwürfe entstehen, überwiegt der Kollaborationsvorteil meist deutlich. Wo schützenswerte Inhalte verarbeitet werden, gehört die Frage nach dem Rechtsraum der Daten auf den Tisch, bevor das Werkzeug gesetzt wird. Seit dem Scheitern der Adobe-Übernahme Ende 2023 ist Figma ein eigenständiges Unternehmen und seit dem Börsengang an der NYSE Ende Juli 2025 börsennotiert, was an der Cloud-Architektur nichts ändert.
Referenzen
- Figma Plans and Pricing. Tarifübersicht mit Sitzplatz-Typen und Funktionsumfang von Starter bis Enterprise. (2026). www.figma.com/pricing/
- Figma Enable localized file hosting. Die Data-Residency-Lösung, nur im Enterprise-Tarif, auf AWS, für ruhende Daten, Regionen EU sowie ab 2026 Australien und Indien. (2026). help.figma.com/hc/en-us/articles/15643274574871-Enable-localized-file-hosting
- Figma Investor Relations. Figma ist seit dem Börsengang am 31.07.2025 an der NYSE unter dem Ticker FIG notiert. (2026). investor.figma.com/overview/default.aspx
- Adobe Adobe and Figma Mutually Agree to Terminate Merger Agreement. Beendigung der geplanten Übernahme wegen fehlender Aussicht auf regulatorische Freigabe in der EU und im Vereinigten Königreich. (18.12.2023). news.adobe.com/news/news-details/2023/adobe-and-figma-mutually-agree-to-terminate-merger-agreement
- Figma EU hosting for Figma and FigJam files. Ankündigung der EU-Datenhaltung als Reaktion auf europäische Anforderungen. (25.09.2023). www.figma.com/blog/eu-hosting-for-figma-and-figjam-files/
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